Blog #7: Weidmannsheil am Grab

Es war mir eine Ehre, H. freie Trauerfeier zu gestalten. Der Wald hat von Anfang an eine große Rolle im Leben von H. gespielt. So fand H. seine letzte Ruhestätte auf dem Naturfriedhof, in Unterseilberg. 
 

Der Wald – die Natur, das war seine Kraftquelle. Seine Zuflucht & sein Wohlfühlort zugleich. 

"Begleiten wir, heute, alle gemeinsam, Helmut in den Wald. Auf die Jagd. 

Wir gehen heute auf die Pirsch. Und H. hat wie immer ein Messer dabei. Also keine Sorge, wir sind sicher unterwegs in Wald & Flur. Ohne großen Knall."

Die Beste Zeit zu jagen, ist kurz vor Sonnenaufgang. Zu dieser Zeit ist es draußen, in der Natur, am kältesten. Kurz bevor die Sonne durchbricht. Der neue Tag anbricht. Die Welt erwacht. Ganz langsam, die Dunkelheit weicht.

So nahm ich, als Trauerrednerin, die Familie mit, auf einen letzten gemeinsamen Ausflug. In unserer Fantasie ist das möglich. Seine Familie hat seine Leidenschaft nie so ganz verstanden. Und auch für mich als Nicht-Jägerin war es spannend, in der Vorbereitung auf die Trauerrede mehr über die Jagd zu erfahren. Als Jägerstochter wusste ich gleich, wen ich da fragen werde. 

So entstand für H. eine ganz besondere Rede. Lebendig und mitten im Woid, da wo sich H. immer sicher gefühlt hat. Ich glaube, es hätte H. gefallen.

"In der Dunkelheit merken wir sofort, wie sich unsere Sinne schärfen. 

Instinktiv passiert das. Sobald die Augen weniger wahrnehmen können, übernehmen alle anderen Sinne das Ruder. 

Wir riechen und schmecken den feuchten, leicht modrigen Waldboden. Herb und erdig, und gleichzeitig so frisch und pur. Wir spüren unseren Atem, die kalte Luft, die uns sofort hellwach werden lässt. Lebendig fühlen wir uns hier draußen. Spüren jeden kalten Atemzug in unseren Körper, genießen die Frische, die er uns schenkt und sehen den Nebel, der den Wald umgibt. Einhüllt. Eine wunderschöne Landschaft, trotz der dunkeln Farben, schimmert im Mondlicht. Mystisch. Wie gemalt, ein bisschen so, wie die Gemälde in Helmuts Zimmer. Stimmungsvoll, echt und wild."


Rituale - ein letzter Bissen

Das Brauchtum und die Ehrerbietung der Jäger an das Wild. Die Ehrfrucht vor Leben und Tod. Die Würde der Toten, die, die ihr Leben gegeben haben, zu ehren mit einem „letzten Bissen“. 

Ehren wir gemeinsam H. Feiern seinen Abschied würdevoll. So hatte ich für H. letzten Bissen einen guten Pfälzer Rotwein und Schokoladen-Lebkuchen dabei. Wer mag, konnte H. einen letzten Happen mit in seine letzte Ruhestätte geben. Auf sein Wohl. 

Denn H., war ein Genießer.